Freundschaften – einige Gedanken Rund um die Freundschaft!

Freundschaften – Gedanken Rund um die Freundschaft

Nach Aristoteles ist Freundschaft „eine in zwei Körpern steckende gemeinsame Seele“, nach Meyers Großem Lexikon „das auf gegenseitiger Wertschätzung beruhende und von gegenseitigem Vertrauen getragene freigewählte gesellige Verhältnis zwischen Gleichstehenden“ und nach führenden Psychologen ist es „eine dyadische, persönliche und informelle Sozialbeziehung“. Sicher ist das alles richtig, aber es lässt sich auch viel einfacher ausdrücken. Ein Freund, eine Freundin ist ein Mensch, den wir sympathisch finden und wertschätzen, dem wir Vertrauen und Zuneigung schenken und von dem wir das gleiche erhoffen und erwarten. Freundschaften haben viele positiven Wirkungen auf uns Menschen. Sie geben Sicherheit, stabilisieren die psychische Verfassung, helfen bei Lebensentscheidungen, machen unser Leben reicher und schöner und können sogar lebensverlängernd sein.

Die Formen der Freundschaften

Es gibt viele verschiedene Formen von Freundschaften: Die Kinderfreundschaft, die schon im Sandkasten oder im Kindergarten beginnt, die schwärmerische innige Freundschaft junger Mädchen in der Pubertät und die Kumpel-Freundschaft heranwachsender Jungen. Dann gibt es die lebenslange Freundschaft, die durch nichts zu erschüttern ist, die aus einer ehemals großen Liebe manchmal noch zu rettende Freundschaft, Brieffreundschaften, Internetfreundschaften und Freundschaften deren einzige Grundlage gemeinsame Interessen sind. Es gibt Freundschaften zwischen Männern, zwischen Frauen, zwischen Männern und Frauen, zwischen Gleichaltrigen sowie alten und jungen Menschen. Alle diese Freundschaften sind wichtig und bereichern unser Leben.

Die Kinderfreundschaft

Nehmen wir die Kinderfreundschaft. Sie ist oft eine Art von Zweckbündnis um nicht allein spielen zu müssen, Verbündete gegen andere Kinder zu haben. Außerdem aber profitiert das Kind von der Andersartigkeit des Freundes der Freundin. Er oder sie kann vielleicht Dinge, die ihm selbst schwerfallen, ist geschickter, kennt andere Worte, hatte andere Erlebnisse. Das ist spannend und interessant und erweitert den eigenen Horizont.

Währen der Pubertät spielen Freundschaften ebenfalls eine sehr große Rolle, gerade weil das Verhältnis der Heranwachsenden zu den Erwachsenen in dieser Zeit fast immer problematisch und schwierig ist. Besonders die jungen Mädchen sehnen sich deshalb nach einer „besten Freundin“, der sie alles anvertrauen können, was sie im Moment so sehr bewegt. Solche Mädchenfreundschaften sind oft sehr innig, aber sie sind auch fragil und können recht leicht zerbrechen, wenn ein anderes Mädchen beste Freundin wird. Auch pubertierende Jungen haben Freundschaften untereinander, allerdings sind diese meistens eher kumpelhaft ruppig als innig.

Die Dauer der Freundschaft

Manchmal bleiben die Kinder-und Jugendfreundschaften bestehen und werden zur lebenslangen Freundschaft, der weder getrennte Wege noch die Zeit etwas anhaben können. Mit solchen Freunden lässt es sich durch Dick und Dünn gehen, sie sind neben der Familie und Partnerschaft das Wichtigste im Leben. Aber natürlich kann selbst eine so innige Freundschaft ein Ende finden. Der Tod kann eine Lücke in den Freundeskreis schlagen oder neue Partner/Partnerinnen einen Keil zwischen die Freunde treiben. Auch sehr große Entfernungen, zum Beispiel über Kontinente hinweg, erschweren zumindest den gewünschten intensiven Kontakt. Und schließlich können Freundschaften auch zerbrechen, weil sie eben nicht echt und ehrlich waren und einer der Freunde sie verraten hat.

Neue Freundschaften

Um dann nicht zu vereinsamen, sollte versucht werden, neue Freunde zu finden. Aber wie geht das? Lassen sich Freunde einfach so finden und wenn ja, wie und wo? Um es vorweg zu sagen, eine Freundschaft lässt sich genau wie die Liebe und die Partnerschaft nicht erzwingen. Sie kann uns genauso treffen wie der sprichwörtliche Blitz, aber wahrscheinlicher ist es, dass sie ganz allmählich wächst und größer und tiefer wird. Dazu aber ist es unerlässlich, auf Menschen zuzugehen, offen und unvoreingenommen. Wer introvertiert ist, tut sich manchmal schwer damit, aber anders geht es im Grunde nicht. Und eigentlich ist es doch ganz leicht, zum Beispiel die nette neue Kollegin oder die freundlichen Nachbarn zu einem Kaffee oder einem Glas Wein einzuladen, die so nett lächelnde Mutter des kleinen Jungen, mit dem ihr Kind sich angefreundet hat, endlich einfach mal anzusprechen. Vielleicht fällt die Reaktion des Gegenübers nicht so aus, wir es uns erhoffen, aber was solls. Nur wer wagt, kann gewinnen. Vielleicht wird ja eine nette Bekanntschaft oder sogar eine richtig gute Freundschaft daraus.

Freundschaften auf anderen Wegen finden

Wem es zu schwierig erscheint fremde Leute spontan anzusprechen, der kann auch im Sportverein, im Kirchenchor, beim Zumba-Kurs, beim Yoga oder in der Volkshochschule potentielle Freunde finden, um nur einige Beispiele zu nennen. Ganz Schüchternen bleibt immer noch die Kontaktanzeige im Internet oder die Vermittlung durch eine bereits gut bekannte Person oder durch Verwandte.

Freundschaft

Freundschaft pflegen

Ist der erste Schritt getan und hat positive Resonanz gefunden, dann gilt es, die neue Bekanntschaft zu pflegen, ohne den anderen Part aber gleich zu überfallen und vereinnahmen zu wollen. Wie aus einer netten Bekanntschaft eine erfüllende Freundschaft werden kann, dafür gibt es ein paar Grundregeln:

Akzeptanz und Wohlwollen

Sie sind für eine beginnende Freundschaft ganz wichtig. Sich selbst zu verbiegen und dem anderen nach dem Mund zu reden, funktioniert ebensowenig, wie ihn änderen zu wollen. Man muss nicht unbedingt immer einer Meinung sein, aber imstande, dem Gegenüber seine Meinung zu lassen.

Zeit für die Freundschaft

Jede Freundschaft braucht ein gewisses Maß an gemeinsamer Zeit und die muss man sich nehmen. Wer zu 100 Prozent in seinem Beruf und seinen Familienpflichten eingespannt ist, in dessen Leben passen keine Freunde. Das bedeutet natürlich nicht, immer beieinander zu sein, aber persönliche Treffen, gemeinsame Unternehmungen oder wenn das zeitlich nicht klappt, wenigstens ein Anruf, eine, Mail, ein Gruß müssen sein.

Emotionale Nähe zulassen

Auch das ist für eine erfüllende Freundschaft unabdingbar. Es bedeutet nicht, gleich zu Beginn einer freundschaftlichen Beziehung intimste Dinge von sich zu erzählen, aber
es gehört zur aufrichtigen Freundschaft dazu, Gedanken und tiefe Gefühle zu teilen und sich dem anderen so zu zeigen, wie wir wirklich sind.

Nicht klammern und bedrängen

Auch der allerbeste Freund, die beste Freundin braucht Freiräume und hat andere Beziehungen, die mit der Freundschaft nichts zu tun haben. Lassen wie ihr/ihm diese Freiräume nicht, wird er irgendwann gezwungenermaßen auf Distanz zu uns gehen.

Ehrlichkeit ja, Kränkung nein

In allen wichtigen Fragen ist Ehrlichkeit unter Freunden Pflicht und Lügen sollten Tabu sein. Aber andererseits sollte niemand seinen Freund alles „vor den Bug“ knallen, was ihm gerade durch den Kopf geht. Dass er mindestens 10 Kilo zugenommen hat, wir seine neue Flamme dämlich, sein Kind verzogen und frech finden, sollten nicht ungefiltert rauslassen. Wer dass tut, verwechselt Ehrlichkeit mit Unverschämtheit.

Gönnen können

Es ist schön, in schechten Zeiten aufrichtige Freunde zu haben, die uns trösten, uns aufrichten und uns helfen, aber auch in glücklichen Zeiten werden Freunde gebraucht, die sich mit uns freuen und uns das Glück von Herzen gönnen.

Toleranz aufbringen

Im Erwachsenenhalter suchen sich Menschen eher Freunde, die ihre Werte teilen, ihren Überzeugungen nahestehen, einen ähnlichen Lebensstil haben, ähnlich „ticken“. Aber es gibt durchaus auch Fälle, in denen Menschen freundschaftlich verbunden sind, die in vielen Dingen ihr genaues Gegenstück sind. Ordungsfanatiker können mit Chaoten befreundet sein, Streber mit Faulpelzen, Totale Familienmenschen mit eingefleischten Singles. Damit eine aufrichtige Freundschaft zwischen so unterschiedlichen Charakteren gelingt, ist Toleranz unverzichtbar.

Vergeben und vergessen

Jeder Menschen macht Fehler – auch Freunde und deshalb gibt es sogar in vielen langjährigen Freundschaften auch einmal eine Krise. Um sie zu überstehen, müssen die Freunde offen und ehrlich mit einander umgehen, sich auch entschuldigen können und es fertigbringen, einander zu verzeihen.

Die Freundschaft aus dem Netz

Fest steht, dass das Internet das Freundschaftsverhalten der Menschheit verändert hat. Ist das nun gut oder schlecht? Wahrscheinlich trifft beides zu. Wer nicht gut Auge in Auge auf Fremde zugehen kann, weil er schüchtern und introvertiert ist, für den kann das Netz ein Einstieg sein, Leute kennen zu lernen und zwar ohne den Focus gleich beim Kennenlernen auf Äußerlichkeiten zu haben. Tatsächlich haben über die verschiedensten Chats, über Kontakt-und Singlebörsen, über Facebook, Instagram und co. viele Menschen nicht nur ihren Partner kennengelernt, sondern konnten auch gute Freunde finden. Andererseits aber hat das Netz Freundschaften auch beliebiger gemacht und damit abgewertet. Mancher hat zum Beispiel bei Facebook Hunderte sogenannter „Freunde“ aber das hat mit echten Freundschaften nicht das Geringste zu tun. Auch Chatfreunde unterscheiden sich von echten Freunden beträchtlich, zumindest so lange, bis es zu echten Begegnungen kommt.